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Der Alltag und der Buddhismus
 

Ein Vortrag von

Santuṭṭho

vom 20. August 2006

Eine Pagode.
Eine der ungezählten Pagoden in der Umgebung der Sagaing-Hills, Burma.


Eigentlich lässt sich der Alltag und das, was man allgemeinhin als Buddhismus bezeichnet ja gar nicht trennen. Aber versuchen wir es einmal näher zu betrachten.

Alltag, das ist das, was man alle Tage erlebt, erfährt, tut oder lässt - kurz jeden Tag das Gleiche, sei es angenehm, unangenehm oder einfach neutral. Der Alltagstrott eben.

Buddhismus ist einerseits eine Art Religion, denn man glaubt auch hier etwas, wenn auch nicht an einen allmächtigen Gott, andererseits aber vielleicht eher eine Art Philosophie, denn Buddhismus lässt sich als Weltanschauung bezeichnen, auch wenn es hier starke metaphysische Dimensionen gibt. Dogmatisch, festlegend, starr und unflexibel, das ist Buddhismus aber auf keinem Fall. Zwar gibt es feste Gesetzmäßigkeiten, Definitionen und dergleichen, aber eben kein blinder Glaube an was-auch-immer wird gefordert oder gar erzwungen. Somit haben wir eine Patt-Situation. Soll ich, soll ich nicht? Muss das sein - oder nicht? Das kann man beliebig fortsetzen. Buddhismus ist somit, ganz einfach ausgedrückt, ein Angebot zur Bewältigung, nicht nur des Alltages, sondern der gesamten Existenz. Kernsatz ist hierbei: die Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung zu erkennen, zu verstehen und damit umzugehen. Mehr nicht. Kein "Du sollst nicht dies, Du sollst nicht jenes". Kein "Wenn Du das tust, so schmorst Du in der Hölle" usw. Auch der Begriff "ewig" kommt nicht vor. Weder in Bezug auf Himmel, Hölle, oder Götter bzw. irgend welche anderen Wesen. Kurz: alles was es gibt unterliegt dem Gesetz der Vergänglichkeit. Alles. Ausnahmslos. Alles was es gibt ist ohne jedwede erkennbare Substanz, Seele oder enthält etwas, was als ein "Ich" bezeichnet werden könnte. Und letztens: alles was es gibt ist letztendlich unzulänglich, grob gesagt, leidhaft, hat also den Aspekt der Unvollkommenheit.

Wie soll es da gelingen, den Alltag zu meistern? Ist doch sowieso alles Leiden, ist eh nichts zu machen gegen die Substanzlosigkeit. Und wenn es keine Seele gibt, dann brauch ich mich auch nicht um deren Heil zu kümmern. Das ist das eine Extrem, das des sogenannten Nihilismus, der Ansicht von der Vernichtung. Das andere Extrem ist, anzunehmen, dass alles sowieso einem vorherbestimmt sei. Es hat keinen Zweck, irgend etwas zu bewerkstelligen. Es liegt alles in der Hand des Schicksals bzw. eines Gottes. Dies ist die Ewigkeitsansicht. Beide Extreme sind zu verwerfen.

Genau in der Mitte gibt es nun einen Weg1, der begehbar ist. Nachvollziehbar, machbar. Ein Weg, der aus diesem Dilemma, der Zwangslage auf Deutsch, heraus führt. Und eben jenen Weg entdeckte der historisch um ein vielfaches deutlich nachweisbarer existiert habende Siddhārtha Gotama, kurz, der Buddha. Warum diese Betonung auf nachweisbar? Eben weil im Buddhismus kein Raum gelassen werden soll zu Spekulationen, Phantasien und Glauben. All das beruht nämlich auf Unwissenheit. Das Forschen in der Vergangenheit bringt kaum Fortschritt, denn die Geschichte lässt sich nun mal nicht ändern. Das Grübeln hinsichtlich der Zukunft ist reine Spekulation, denn sie ist nicht fassbar, geschweige denn vorhanden. Glauben gilt als Unwissenheit, denn wenn man etwas weiß, so glaubt man nicht daran, man weiß es ja. Dennoch gibt es sehr wohl im Buddhismus eine Form des Glaubens. Hat doch nicht jeder die Fähigkeit, gleich das zu erkennen, was tatsächlich ist, also in der Meditation diese Stadien zu erreichen, wo es zum Aufsteigen, also zum Entstehen des tieferen Wissens kommt. Dazu benötigt man schon Übung. Sicher gibt es Talente. Aber die Mehrheit von uns kommt durch verschiedene Ursachen gehemmt eben nicht so tief. Hier ist wieder die Verbindung zum Alltag. Das, was wir jeden Tag tun, sprechen und denken, eben das verhindert oftmals einen wesentlichen Fortschritt aus dem Glauben heraus zum eigenen Erkennen, dem Wissen. Hier also, im Alltag, sollten wir dafür sorgen, dass die Umstände so sind, dass es zum Entstehen des Verständnisses der Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung kommt. Den Spruch "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück" kennt wohl jeder. Das ist eine Art von Ursache und Wirkung. Das Echo. Es gibt aber auch Wirkungen, die lassen auf sich warten. Oder es treten Wirkungen ein, die wir vermeintlich gar nicht verursacht haben. Woran kann das liegen? An unserem eingeschränkten Verständnis, an unserer Unwissenheit. Aber wer möchte sich das eingestehen? Also wird sich dagegen aufgelehnt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ignoranz entsteht. Bewusstes Verleugnen. Die Schwelle wird immer höher. Intoleranz kommt hinzu. "Ich weiß es besser". Gerade aus der Richtung der monotheistischen Religionen schallen uns die Auswüchse der Intoleranz entgegen. "Es gibt nur einen wahren Gott, und das ist der meine. Folglich habe ich das Recht, all jene zu vernichten, die nicht an ihn glauben." Welch ein Wahnsinn!

Da gibt es zwei Formen der Intoleranz: a) die der Individuen, die den tieferen Sinn ihrer Religion nicht durchschaut haben und die daher nicht als wirkliche Gläubige angesehen werden können. Sie benutzen die Religion wie eine Erkennungsfahne, um sektiererische und / oder nationalistische Leidenschaften wieder aufleben zu lassen. b) ist die der aufrichtigen Gläubigen, die so tief von der Wahrheit ihres Glaubens überzeugt sind, dass sie jedes Mittel für recht halten, um ihn den anderen zu ihrem Wohle aufzuzwingen. Der erste Aspekt ihres Glaubens ist lobenswert, der zweite stürzt sie in den Irrtum. Sie verstehen es nicht, die spirituellen Traditionen der anderen und die Verschiedenheit der Menschen zu respektieren.

Im Buddhismus dagegen ist es das Ziel, zu durchschauen, was ist. Zu erkennen, warum es so ist, wie es ist. Und es zu akzeptieren. Das bedeutet nicht, alles wie gesagt als gegeben, als vorherbestimmt über sich ergehen zu lassen. Nein, denn hier und jetzt halten wir den Schlüssel in der Hand, wie unsere Zukunft aussieht. So wie wir in der Vergangenheit gewirkt haben, so leben wir jetzt. Was wir hier und jetzt tun, das gestaltet unsere Zukunft. Das Gesetz von Ursache und Wirkung. Von nichts kommt nichts. Eigentlich ganz einfach - oder?

Was ist nun also alltäglich zu tun? "Was du nicht willst, das man dir tu, das füge keinem anderen zu", das ist ein treffender Spruch. Natürlich ist die zukünftige Wirkung nicht zwangsläufig eins zu eins. Das, was im Buddhismus Karma genannt wird, ist dynamisch, nichts starres, kein Rechnungsbuch. Wie etwa beim Einzahlen auf der Bank der Schein nicht genau der selbe ist, wie beim Auszahlen. Sondern möglicherweise der gleiche, oder ein paar kleinere, und nur im allerseltensten Fall, der selbe. Jede Tat, jedes Wort und sogar jeder Gedanke lässt sich als Einzahlung auf ein absolut individuelles Konto vergleichen. Und das, was einem widerfährt ist das, was davon ausgezahlt wird. Mir ist klar, dass jeder Vergleich irgendwo hinkt. Aber das Karma wird nicht von Ungefähr als eines der Vier Unermesslichen Dinge bezeichnet. Für den Alltag genügt es vollkommen, sich darüber im Klaren zu sein, dass das, was man tut auf einen selber zurück fällt. Wenn man also nur Hiebe austeilt, braucht man sich nicht wundern, wenn man welche einstecken muss. Das ist keine zwingende Folge. Auch nicht im wörtlichen Sinn. Sicher ist aber, dass man über kurz oder lang die Wirkung zu spüren bekommt. Das ist eben Karma. Unberechenbar. Im Alltag ist es also von allergrößter Wichtigkeit, sich ethisch so korrekt wie möglich zu verhalten.

Die Religionen geben Gebote aus, atheistische Richtlinien sind Gesetze usw. Eben das dauernde "du darfst nicht dies, du darfst nicht jenes", "tu das nicht, lass das bleiben", "du sollst nicht dies, du sollst nicht das". Buddhismus bedeutet, sich bewusst zu sein, welche Wirkung unser Tun und Lassen hat. Mehr nicht. Das klingt so einfach, dass man es nicht zu fassen wagt. Und doch ist es so. Selbstverständlich gibt es auch im Buddhismus Regeln: diese sind aber anders formuliert. Nämlich als Selbstverpflichtungen, als Übungsregeln. Auch nach deren Gewichtigkeit sortiert. So steht also die Regel "Vom Töten lebender Wesen Abstand nehmen, darin will ich mich üben" an erster Stelle. Denn die Wirkung von Töten ist, dass man seine eigene Lebensspanne verkürzt bzw. sich diverse Krankheiten zuzieht. Zweitens: "Vom Nehmen von Nichtgebenem abstehen, darin will ich mich üben", was bedeutet, dass ich mir klar mache, nur anzunehmen, was mir gegeben wurde. Nichts einfach so zu nehmen, weil es da ist. Oder auch mal nach zu fragen, ob es "sauber" ist. Das wird sich in der Zukunft auswirken, dass man nicht in ärmlichen Verhältnissen existieren muss. Drittens "von unheilsamen sexuellen Beziehungen Abstand nehmen, darin will ich mich üben" bedeutet, dass man schlicht nicht in anderer Menschen Beziehungen einbricht oder Umgang mit Minderjährigen pflegt. Viertens: "von übler Rede Abstand nehmen, darin will ich mich üben" bedeutet, dass man nicht nur das Belügen anderer meidet, sondern auch sich selber nichts mehr vormacht, was doch eigentlich schon fester Bestandteil unseres Alltags geworden ist. Des weiteren zählen hier auch hinzu üble Nachrede, Verleumdung, Geschwätz, bis hin zum simplen Plaudern und Plappern. Als fünftes "von den Geist berauschenden Mitteln Abstand nehmen, darin will ich mich üben". Das fängt an bei Alkohol, geht über Drogen, bis hin zu jeglichen Sucht und Abhängigkeit schaffenden Dingen, wie z.Bsp. Fernsehen und Selbsttäuschung. Zugrunde liegt allen Regeln gemeinsam, dass man nur bei bzw. in sich selber sauber machen kann und sollte.

Hier ist eine starke Parallele zum Christentum zu erkennen. Wir sollten uns dennoch bewusst ein, dass der Buddhismus bereits seit etwa 500 Jahren existierte, als es zur Erscheinung des Christus kam. Dem zufolge ist es also höchst unlogisch anzunehmen, der Buddhismus hätte Anleihen hier genommen. Es wird sogar vermutet, dass es eher anders herum gewesen sei. Schließlich stammt Jesus fast erwiesenermaßen nicht aus Nazareth, was man getrost als Übersetzungsfehler stehen lassen kann, sondern eher, dass er der damals hoch geachteten Sekte der Nazarener angehörte, die in Qumran eine Art Kloster betrieben. Details möchte ich darüber nicht verbreiten. Denn das sind Dinge aus der Vergangenheit. Also nicht zu ändern. Die Essenz ist aber, dass Christus tatsächlich enorm wichtige Schlussfolgerungen aus seinem Dasein zog. Immerhin gab es zu dieser Zeit auch die Lehre der sog. Wiedergeburt, welche erst später auf einem der Kirchenkonzile gestrichen wurde.

Wir sollten unbedingt streng trennen zwischen Religion und den dazu gehörenden Institutionen. Daher erneut der Hinweis, dass Buddhismus eher eine Art Lebenshilfe darstellt, als eine Religion. Ein Mittel zum Zweck, ganz einfach. Ein Werkzeug, um mit seinem Leben zurecht zu kommen. Gerade im Alltag. Es gibt auch hier die Möglichkeit sich in ein Kloster zu verkriechen. Nur besteht hier die Gefahr, dass man sich nur allzu schnell allzu sicher fühlt. Ethisch zumeist perfekte Umstände gaukeln einem vor, wie weit fortgeschritten man doch schon sei. Dünkel entsteht. Ein folgenschwerer Irrtum. Aber das kann uns als Laien genau so passieren. Wir vermeinen irgend etwas besonderes bewirkt zu haben, dünken uns darüber etwas besonderes zu sein, anders zu sein usw. Und wenn dann die Ernüchterung kommt, und diese kommt gewiss, dann ist der Schmerz groß.

Was unterscheidet uns von anderen? Doch wohl nur Kleinigkeiten - oder? Prinzipiell sind alle Menschen gleich. Als Individuen aber wie das Wort schon sagt, Einzelwesen. Jeder hat sein ureigenes Bündel zu tragen. Sei es mehr glücklich oder eher schmerzlich. Das wiederum ist auch völlig subjektiv. Was für den einen Glück ist, erscheint dem anderen als Pech. "Dem ien sei Uhl is dem andern sin Nachtigall." Noch einmal: Entscheidend ist, wie wir selber mit dem Jetzt umgehen. Hier und jetzt legen wir die Zukunft an. Was wir jetzt tun, das erben wir.

Hier nun noch ein Auszug aus einer sehr häufig zitierten Lehrrede, welche an Laien gerichtet wurde:2
"Es kommen da, o Herr, einige Asketen und Brahmanen nach Kesaputta; die lassen bloß ihren eigenen Glauben leuchten und glänzen, den Glauben anderer aber beschimpfen, schmähen, verachten und verwerfen sie. Wieder andere Asketen und Brahmanen kommen nach Kesaputta, und auch diese lassen bloß ihren eigenen Glauben leuchten und glänzen, und den Glauben anderer beschimpfen, schmähen, verachten und verwerfen sie. Da sind wir denn, o Herr, im Unklaren, sind im Zweifel, wer wohl von diesen Asketen und Brahmanen Wahres, und wer Falsches lehrt."
"Recht habt ihr, dass ihr da im Unklaren seid und Zweifel hegt. In einer Sache, bei der man wirklich im Unklaren sein kann, ist euch Zweifel aufgestiegen.
Geht nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber selber erkennt: ?diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden', dann möget ihr sie aufgeben.
Was glaubt ihr: gereicht die Gier, die im Menschen aufsteigt, ihm zum Heil oder Unheil?"
"Zum Unheil, o Herr"
"Aus Gier von Gier überwältigt, umstrickten Geistes, tötet man Lebendiges, nimmt man Nichtgegebenes, vergeht man sich mit seines Nächsten Weib, spricht man Lüge und spornt auch andere dazu an; und dies wird einem lange Zeit zum Unheil gereichen."
"So ist es, o Herr."
"Was glaubt ihr: gereicht der Hass und die Verblendung (Unwissenheit), die im Menschen aufsteigt, ihm zum Heil oder Unheil?"
"Zum Unheil, o Herr."
"Aus Hass und Verblendung, von Hass und Verblendung überwältigt, umstrickten Geistes, tötet man Lebendiges, nimmt man Nichtgegebenes, vergeht man sich mit seines Nächsten Weib, spricht man Lüge und spornt auch andere dazu an; und dies wird einem lange Zeit zum Unheil und Leiden gereichen."
"So ist es, o Herr."
"Was glaubt ihr, sind diese Dinge unheilsam oder heilsam?"
"Unheilsam, o Herr."
"Verwerflich oder untadelig?"
"Verwerflich, o Herr."
"Werden diese Dinge von Verständigen gepriesen oder getadelt?"
"Getadelt, o Herr."
"Und führen diese Dinge, wenn ausgeführt und unternommen, zu Unheil und Leiden oder nicht? Oder wie steht es hiermit?"
"Diese Dinge, o Herr, wenn ausgeführt und unternommen, führen zu Unheil und Leiden. So denken wir hierüber."
"Aus diesem Grunde eben, haben wir es gesagt: Geht nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber selber erkennt: 'diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden', dann möget ihr sie aufgeben.
Wenn ihr aber selber erkennt: 'diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann möget ihr sie euch zu eigen machen.
Es folgt jetzt die Umkehr des Textes mit Gierlosigkeit, Hasslosigkeit und Unverblendung.
Mit einem derart von Hass und Übelwollen freien, also unbeschwerten, also geläuterten Geiste ist dem edlen Nachfolger noch bei Lebzeiten vierfacher Trost gewiss:
'Gibt es eine andere Welt und gibt es eine Frucht, ein Ergebnis guter und schlechter Taten, so ist es möglich, dass ich beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, auf glücklicher Daseinsfährte erscheine, in himmlischer Welt' - dieses ersten Trostes ist er gewiss.
'Gibt es aber keine andere Welt und keine Frucht, kein Ergebnis guter oder schlechter Taten, so lebe ich eben hier in dieser Welt ein leidloses, glückliches Leben, frei von Hass und Übelwollen' - dieses zweiten Trostes ist er gewiss.
'Wenn einem Übeltäter Übles widerfährt, ich aber gegen niemanden Übles im Sinne habe, wie kann da wohl mir, der ich nichts Übles tue, Unheil widerfahren?' - dieses dritten Trostes ist er gewiss.
'Wenn aber einem Übeltäter nichts Übles widerfährt, so weiß ich mich hier eben beiderseits rein' - dieses vierten Trostes ist er gewiss.
Mit einem derart von Hass und Übelwollen freien, also unbeschwerten, also geläuterten Geiste ist dem edlen Nachfolger noch bei Lebzeiten dieser vierfache Trost gewiss."

Jeden Tag, also im Alltag diesen Trost zu haben, zu genießen, das ist doch etwas. Und da sage mal einer, der Buddhismus sei pessimistisch... !

Anmerkungen:

1

ekāyano-Magga: siehe "Satipaṭṭhāna Sutta Majjhima-Nikāya 10
Über diesen Begriff könnte man sehr lange streiten, dennoch ist seine Bedeutung sehr wohl deutlich zu erkennen - für den, der praktiziert. Es KANN nicht sein, dass ekayano Maggo "der einzige Weg " bedeutet, denn das würde dogmatisch sein. Die Lehre des Buddha ist aber undogmatisch. Am ehesten nachvollziehbar wären die Versionen "der eine Weg", "allein zu gehender Weg".
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2 Kālāma-Sutta aus: Anguttara Nikāya [zurück]

 

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